GeldKarte.de: Die Deutschen gelten als "Karten-Muffel" und nutzen bargeldlose Zahlungsmittel seltener als ihre europäischen Nachbarn. Sind die Deutschen "reif" für die kontaktlose Zahlung?
Hans-Werner Niklasch: Ja! Bei 90 Millionen Debitkarten und über 20 Millionen Kreditkarten auf dem deutschen Markt kann man wohl kaum von Kartenmuffeln sprechen. Richtig ist aber, dass Deutsche ihre Karten weniger häufig einsetzen als ihre europäischen Nachbarn. Hier haben wir noch Nachholbedarf. Genau deshalb ist es aber umso wichtiger, den Gebrauch der Karten weiter zu vereinfachen. Die Kontaktlos-Technologie ist hier wegweisend. Denn, was ist bequemer als sekundenschnell durch Vorhalten der Karte an einem Terminal zu bezahlen? Zusätzliche attraktive Einsatzmöglichkeiten wie beispielsweise das kontaktlose E-Ticketing schaffen einen weiteren Anreiz zur Kartenzahlung. Genau das bietet die Kontaktlos-Technologie auf Basis der GeldKarte. Die elektronische Geldbörse hat sich in Deutschland als Münzgeldersatz etabliert. Die Akzeptanz für den kleinen goldenen Chip wächst kontinuierlich in der Bevölkerung. Rund 74 Millionen GeldKarten sind bereits deutschlandweit im Umlauf.
GeldKarte.de: Welche Vorteile bietet die Kontaktlos-Technologie Karteninhabern, Händlern?
Hans-Werner Niklasch: Die Karteninhaber müssen nicht mehr lange Schlange stehen, wenn sie bezahlen oder Eintrittskarten entwerten möchten. Langes Kramen nach Kleingeld entfällt für sie. Außerdem steht ihnen dank der Dual Interface Technologie auf den Karten ein offenes System zur Verfügung, das sie an allen GeldKarte-Akzeptanzstellen, kontaktlos oder kontaktbehaftet, nutzen können. Für den Händler bedeutet ein sekundenschneller Kassiervorgang Potenzial für Umsatzsteigerung am POS durch den schnelleren Abverkauf – gerade bei Events oder im Catering. Da niemand mehr an der Kasse nach Kleingeld kramen muss, können auch Happy Hours und Sponsor- und Vermarktungsaktivitäten mit "krummen" Preisen oder auf der GeldKarte hinterlegten Gutscheinen ganz unkompliziert durchgeführt werden. Auch birgt die GeldKarte am POS enormes Einsparungspotenzial: niedrige Transaktionsgebühren und weniger bis gar kein Bargeldhandling senken die Kosten nachhaltig. Neben den operativen und finanziellen Vorteilen spricht für den Einsatz der GeldKarte kontaktlos die Sicherheit. Wenn beispielsweise in einem Automaten weniger Münzgeld steckt, dann ist dieser für kriminelle Übergriffe weniger attraktiv. Ein technischer Aspekt reizt gerade den POS: Alle Transaktionen werden im Laufe des Tages offline abgerechnet und kumuliert. Eine Online-Autorisierung für die Einzeltransaktionen ist nicht notwendig. So kann das System weitestgehend autark agieren.
GeldKarte.de: Und was ist mit den Kartenherausgebern?
Hans-Werner Niklasch: Die Weiterentwicklung der GeldKarte zum kontaktlosen Bezahlmedium ist selbstverständlich ein wichtiges, strategisches Innovationsprojekt der Kreditwirtschaft. Die deutsche Kreditwirtschaft ist im internationalen Vergleich schon sehr früh auf die Vorteile der kontaktlosen Technologie aufmerksam geworden. Diese Vorreiterrolle gilt es jetzt in der technischen Weiterentwicklung auszubauen. Denn sie verbindet die Effizienz des GeldKarte-Systems bei der Abwicklung von Kleinbeträgen mit dem Komfort und der Schnelligkeit der modernen Kontaktlos-Technologie. Das heißt mehr Service für die Kunden. Wir gehen davon aus, dass es in der Zukunft auf Projektbasis auch die kontogebundene GeldKarte kontaktlos geben wird.
GeldKarte.de: Welche Bedeutung kommt dem Pilotprojekt der neuen Stadionkarte des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen zu?
Hans-Werner Niklasch: Es ist großartig, dass wir für den ersten Piloten einen Fußballbundesligisten gewinnen konnten, der ebenso fortschrittlich wie serviceorientiert handelt und das Potenzial der kontaktlosen GeldKarte erkannt hat. Außerdem profitieren wir davon, dass mit dem Piloten direkt 60.000 kontaktlose GeldKarten zum Einsatz kommen und die neue Technologie im großen Stil auf Herz und Nieren getestet wird. Hinzu kommt auch noch, dass die multifunktionale GeldKarte in der neuen BayArena nicht nur als kontaktloses Bezahlmedium getestet wird. Auch am Eingang wird sie als elektronisches Ticket für den schnellen und bequemen Einlass in das Stadion sorgen. Für die deutsche Kreditwirtschaft und ihr gemeinschaftliches Produkt GeldKarte bedeutet das Pilotprojekt einen Imagegewinn. Es wird in der Zukunft Ausstrahlungseffekte in weitere Branchen geben. Denn mit der Stadionlösung erschließt die GeldKarte nicht nur neue Anwender, sondern erhöht auch die Transaktionszahlen durch neue attraktive Akzeptanzstellen. Das elektronische Zahlen von Kleingeldbeträgen bis 200 Euro wird damit immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Wer erst einmal quasi im Vorbeigehen bezahlt hat, kein Papierticket mehr benötigt und die etlichen weiteren Vorteile der Geldkarte kennt, verzichtet gerne darauf nach Kleingeld zu kramen und setzt lieber den unkomplizierten goldenen Chip im Alltag immer wieder ein.
GeldKarte.de: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Bayer 04 Leverkusen?
Hans-Werner Niklasch: Für den Einzug in die neue BayArena hat der Bundesligist nach einer praktischen und innovativen und zukunftstechnischen Bezahllösung gesucht. Die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten und Zusatzfunktionen der GeldKarte als elektronische Geldbörse haben den Verein überzeugt. Und wir, die EURO Kartensysteme im Auftrag der gesamten Kreditwirtschaft, waren natürlich sofort begeistert von der Idee. Ausschlaggebend für den Fußballverein war sicher die offene Stadionlösung. Der Dual Interface Chip kann nämlich kontaktlos und kontaktbehaftet eingesetzt werden. Das offene System ermöglicht den Stadionbesuchern so ihre geladenen Karten auch an allen 600.000 GeldKarte-Akzeptanzstellen deutschlandweit einzusetzen. Ein mühsames Entladen der Karte nach dem Stadionbesuch, wie es in anderen Stadien üblich ist, entfällt.
GeldKarte.de: Wird es weitere Projekte mit der GeldKarte kontaktlos geben? Vielleicht mit anderen Fußball-Vereinen?
Hans-Werner Niklasch: Unser GeldKarte-kontaktlos-Pilot stößt auf sehr großes Interesse. Bereits heute gibt es eine rege Nachfrage an der offenen Stadionlösung auf Basis der GeldKarte kontaktlos Technologie. Der elektronische Kleingeldersatz im Stadion wird in der Zukunft starke Ausstrahlungseffekte durch die Zusammenarbeit mit einem renommierten Club wie Bayer 04 Leverkusen auch auf andere Branchen haben, wie beispielsweise Zigaretten- und Parkautomaten oder im Öffentlichen Nahverkehr. Für die Zukunft sind auch in diesen Einsatzbereichen kontogebundene GeldKarten mit der kontaktlosen Technologie auf Projektbasis vorstellbar.
GeldKarte.de: Wie schätzen Sie die zukünftige Verbreitung kontaktloser Bezahltechnologien ein?
Hans-Werner Niklasch: Wenn sich die Kontaktlos-Technologie erwartungsgemäß als zuverlässig und stabil erweist, wird das System in den nächsten Jahren sehr große Verbreitung finden. Diese Zukunftstechnologie wird sich über kurz oder lang auch auf dem deutschen Markt durchsetzen. Wir sind froh, dass wir mit der GeldKarte hier eine Vorreiterrolle spielen dürfen…
GeldKarte.de: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch, Herr Niklasch.
29. Juni 2009


