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Die GeldKarte in der Kreislaufwirtschaft

Auszahlung von Pfandbeträgen auf eine GeldKarte

"Das Fraunhofer IML hat im Jahr 2001 im Auftrag der Entsorgungsbranche ein Konzept für die Sammlung von bepfandeten Einweggetränkeverpackungen entwickelt, in dem neben flächendeckender Sammlung u.a. auch Zahlungssysteme, Kennzeichnungs- und Identifikationstechniken, Rücknameautomaten und Rückerstattungsalternativen für das ausgezahlte Einwegpfand untersucht, sowie Kostenabschätzungen durchgeführt wurden. Als ein wesentliches Ergebnis dieser Untersuchungen kann bzgl. des Zahlungsverkehrs sowie der Rückerstattung festgehalten werden, dass eine Auszahlung von Pfandbeträgen auf eine GeldKarte vielfältige Vorteile für Handel und Verbraucher mit sich bringen.

Die Kreislaufwirtschaft im Bereich der Getränkeverpackungen ist in Deutschland noch fest in den Händen von manuellen Rücknahmesystemen. Automatische Rücknahmesysteme in Form von Rücknahmeautomaten sind allerdings auf dem Vormarsch und etablieren sich an verschiedenen Stellen im Kreislaufsystem. In Discountmärkten wird diese Form der Verpackungsrücknahme immer populärer. Dies gilt für die beiden Systeme Mehrwegverpackung und Einwegverpackung ebenso wie für die wachstumsbehaftete Switterlösung bei PET Verpackungen (Bei den PET Verpackungen findet das Handling wie in einem Mehrwegsystem statt, allerdings werden die PET Flaschen komplett eingeschmolzen und in einem sortenreinen Stoffkreislauf Recycled).

Die Pfandauszahlung erfolgt bei der automatisierten Rücknahme bisher ausschließlich manuell. In der Regel wird ein Bon mit dem entsprechenden Pfandwert gedruckt und an der Kasse anschließend gegen Bargeld eingetauscht. Auf der einen Seite ergibt sich für das Handelsunternehmen der Vorteil, dass der Kunde einmal durch das Geschäft gehen muss, um sich an der Kasse anzustellen. Dass es hierbei zu zusätzlichen Käufen kommt, ist wahrscheinlich. Für die Kunden, die Verpackungsrückbringer, ergeben sich allerdings auch Nachteile. Aus dem Entsorgen von leeren Getränkeverpackungen wird möglicherweise ein unfreiwilliger Einkaufsgang mit entsprechenden nicht gewollten Einkäufen. Hier sind kundenfreundlichere Lösungen denkbar.

Eine Möglichkeit ist die direkte Auszahlung der Pfandwerte direkt am Rücknahmeautomaten. Diese sind möglich durch die Abgabe von Bargeld, die Buchung auf ein Konto oder möglicherweise über eine Zahlung auf die GeldKarte. Letztere Lösung würde verschiedene Vorteile bieten. Das Handling von Bargeld entfällt. Damit kann eine aufwendige Logistik und ein hoher Aufwand an Wartung für die Wechselautomaten eingespart werden und die  hohe Kapitalbindung durch das Vorhalten von Wechselgeld wird vermieden. Pfandauszahlungen über eine Kontobuchung erzeugen jedoch sehr hohe Kosten über die Buchungsgebühren, die bei den kleinen Pfandbeträgen in einem ungünstigen Verhältnis stehen. Hier zeigt die GeldKarte einige Vorteile: Da sie in fast jedem Portemonnaie vorhanden ist, kann Sie auch von jedem eingesetzt werden.

Inzwischen gibt es zudem genügend Points of Sale, an denen die GeldKarte dann als Bezahlmittel angewendet werden kann: Hauptsächlich sind dies Zigarettenautomaten, Parkuhren und Fahrkartenautomaten. Allerdings handelt es sich hier um Anwendungen mit einem sehr hohen Verbreitungsgrad. Die Transaktionskosten sind, soweit dies geplant ist, für den Kunden entsprechend den kleinen Pfandbeträgen marktgerecht. Es gibt keinen physischen Materialfluss bei den Geldströmen und somit keine Kapitalbindung, keine Wartung von Transporttechnik oder Gerätetechnik und keine Transportkosten. Konkrete Einsatzmöglichkeiten von Rücknahmeautomaten mit einer Auszahlungsmöglichkeit auf die GeldKarte sind der Einsatz von Rücknahmeautomaten außerhalb der Geschäftszeiten, außerhalb der Geschäftsräume oder als Ergänzung zu in Automatenpools zu Verkaufsautomaten. An der Stelle wo Getränkeverpackungen an einen Automaten zurückgegeben werden, könnten Verkaufsautomaten mit einer GeldKartenzahlungsmöglichkeit Produkte bereitstellen.

Voraussetzung für den Einsatz der GeldKarte in Rücknahmesystemen, und damit auch als Auszahlungssystem sind funktionierende technische Lösungen.  Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2003 in Kooperation von Fraunhofer IML, den Herstellern von GeldKartenterminals und Rücknahmeautomaten für Ein- und Mehrweggetränkeverpackungen sowie dem Deutschen Sparkassen- und Giroverbrand und dem Informatikzentrum der Sparkassenorganisation die Basis für die Auszahlung von Pfandgeldern über die GeldKarte geschaffen. Grundvoraussetzung hierfür war die Entwicklung einer von allen Akteuren anerkannten, standardisierten Schnittstelle für die Integration von GeldKartenterminals in Rücknahmeautomaten. Diese Schnittstelle wurde schließlich u.a. auch unter Einbezug der TÜV Informationstechnik im Rahmen einer Veranstaltung von o.g. Akteuren beschlossen und vom Fraunhofer IML als Grundsatzempfehlung veröffentlicht. Der nächste Schritt ist nun die Produktion eines Prototypen. Sobald dieser existiert, kann die Technik in Serie gehen."

Der Autor

Frank Steinwender studierte Physikalische Technik und legte an der Physikalisch Technischen Bundesanstalt im Bereich Bildoptik sein Diplom ab. Seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in der Abteilung Entsorgungslogistik. Schwerpunkt Prozessmanagement und Informationstechnologien. In diesem Zusammenhang ist die Verpackungsverordnung und damit auch das Dosenpfand schon seit längerem sein Tätigkeitsfeld.

www.fraunhofer.de
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